Gebäudeklasse 3 oder 4? Ermittlung der Höhe bei Hanggrundstücken

Hallo Zusammen,  

 

ich bin auf ein interessantes Thema zur Ermittlung der relevanten Höhe für die Einordnung in die richtige Gebäudeklasse gestoßen. 

 

Die BayBO schreibt bekanntlich vor: 

 

"Höhe im Sinn des Satzes 1 ist das Maß der Fußbodenoberkante des höchstgelegenen Geschosses, in dem ein Aufenthaltsraum möglich ist, über der Geländeoberfläche im Mittel."

 

Vorgeschrieben sind bis GK 3 ja die 7 m - in den meisten Fällen ist das recht eindeutig lösbar. Bei einem Hanggrundstück ist das Mittel zu nehmen, allerdings scheint es unterschiedliche Ansätze zu geben dieses Mittel zu berechnen:

 

Lösungsansatz 1 (vom LRA als "üblicher Weg" bezeichnet):

 

An allen Gebäudeecken die Höhe nehmen und dann die Werte mitteln.

 

Lösungsansatz 2 (aus einer Broschüre von der Versicherungskammer Bayern):

 

"Die Höhe eines Gebäudes im Mittel ergibt sich aus der Summe der freiliegenden Flächen aller Außenwände (begrenzt durch Geländeober- fläche und Fußbodenoberkante des höchstgelegenen Geschosses, in dem Aufenthaltsräume möglich sind) geteilt durch den Umfang des Gebäudes." 

 

Lösungsansatz 3 (weitere Berechnungsmethode eines anderen LRAs):

 

Erfolgt über den Vergleich zweier Werte - einmal auf ebenem Grundstück (WERT 1) und einmal am Hang (WERT 2) und wird ebenfalls mit dem Umfang berechnet.

 

WERT 1 = U x H x 50%= (Wert auf ebenem Grundstück, H=7m)

WERT 2 (Summe der freiliegenden Flächen am Gebäude am Hang)

 

Wert 1 > Wert 2, daraus folgt Gebäudeklasse 3

Wert 1 < Wert 2, daraus folgt Gebäudeklasse 4

 

Je nach Geländeverlauf liefern die drei Methoden unterschiedliche Ergebnisse. 

 

Aber was gilt im Zweifelsfall bzw. wer legt fest welcher Ansatz gültig ist?

Kennt ihr dieses Thema? Eigentlich müsste es doch eindeutig geregelt sein. Mein Kommentar zur BayBO gab leider nichts her.

 

Bin gespannt auf eure Antworten.

 

LG Florian

 

Fr., 06.03.2020 - 16:17
Status: Veröffentlicht
weitergehende Frage: Gebäudehöhe wenn Kellergeschoss= Vollgeschoss

Hallo,

zum Thema habe ich eine weitergehende Frage: Wenn das Kellergeschoss ein Vollgeschoss ist, wird dann die Gebäudehöhe ab mittlerer Wandhöhe des KG gerechnet oder ab OKF EG?

mfg

Bild des Benutzers Anger Groh Architekten (Architekt/in)
Do., 24.11.2016 - 15:45
Status: Veröffentlicht
Ermittlung der Höhe bei Hanggrundstücken

 

Hallo,

 

in den Vollzugshinweisen zur BayBO 2008, aus der die von Ihnen zitierte (und nach wie vor geltende) Festlegung stammt, heißt es hierzu: "Maßgeblich für die Ermittlung der Höhe ist die Geländeoberfläche nach (plangemäßer) Fertigstellung des Bauvorhabens. Untergeordnete Geländeeinschnitte (z. B. Kellertreppen) bleiben außer Betracht. Die Berechnung des Mittels erfolgt wie bei Art. 2 Abs. 5 Satz 2 BayBO 1998."

 

Art. 2 Abs. 5 Satz 2 BayBO 1998 lautet: "Als Vollgeschosse gelten Kellergeschosse, deren Deckenunterkante im Mittel mindestens 1,20 m höher liegt als die natürliche oder festgelegte Geländeoberfläche."

 

Ihr genannter Lösungsansatz 2 unterscheidet sich von Lösungsansatz 1 im Ergebnis darin, dass er nichtlineare Verläufe der Geländeoberfläche zwischen zwei Gebäudeecken mitberücksichtigt, also auch kleine Versprünge. Dies kann aus meiner Sicht jedoch im Einzelfall im Widerspruch zu o.g. Vollzugshinweisen stehen, nach denen ja untergeordnete Geländeeinschnitte außer Betracht bleiben sollen.

 

Lösungsansatz 3 ist so aus meiner Sicht falsch, da er die freiliegenden Flächen des Gebäudes (WERT 2) vergleicht mit der um 50% (d.h. von 7 m auf 3,5 m Höhe) reduzierten Fläche aus WERT 1. Läßt man die Reduzierung um 50% weg, erhält man das gleiche Ergebnis wie bei Lösungsansatz 2.

 

Aus meiner Sicht ist zunächst einmal die Ermittlung über die Gebäudeecken (Lösungsansatz 1) richtig. Sofern es zwischen zwei Gebäudeecken Geländeeinschnitte gibt, die nicht mehr als untergeordnet einzustufen sind, müssen diese jedoch mitberücksichtigt werden. Es bleibt daher ein gewisser Ermessensspielraum, für den im Einzelfall der zuständige Planer die Verantwortung trägt.