Gebäudeklasse 3 oder 4?

Hallo,

bei einem mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshaus soll eine Nutzungsänderung beantragt werden. Im letzten (genehmigten) Änderungsantrag vor 5 Jahren war vom damaligen Architekten für das Gebäude die Gebäudeklasse 3 angegeben worden. Das Gebäude hat 3 oberirdische Geschosse (EG, 1. und 2. OG), der Fußboden des obersten Geschosses liegt dabei im Mittel nicht mehr als 7 m über der Geländeoberfläche.

 

Aber: oberhalb dieses Geschosses befindet sich noch ein unaugebauter Spitzboden, eine Nutzung dieses Bereiches für mehr als nur Speicherzwecke ist dabei weder genehmigt noch beabsichtigt. Bewirkt das alleinige Vorhandensein dieses Spitzbodens aber nicht doch eine Einstufung des gesamten Gebäudes in die Gebäudeklasse 4, mit allen sich daraus ergebenden erhöhten Brandschutzanforderungen?

 

Es wäre toll, wenn jemand hierzu eine schnelle Antwort hätte! :)

Di., 11.06.2019 - 11:19
Status: Veröffentlicht
Gebäudeklasse 3 oder 4

Die Möglichkeit der Anordnung von Aufenthalträumen als Kriterium der Gebäudeklasse ist nicht nur ein rein geometrischer Vorgang auf der Grundlage der Raumhöhen.

Es ist vielmehr zu überprüfen, ob das DG von vornherein für eine Nutzung von Aufenthaltsräumen konstruktiv geeignet war.

Bei Holzbalkendecken z.B. handelt es sich um Decken ohne ausreichende Querverteilung.Das bedingt wiederum eine Verkehrslast von 2,0 kN/m².

Wenn diese nicht erreicht werden sind auch keine Aufenthaltsräume möglich.

Und dann ist das DG unabhängig von der Höhe eben doch nicht geeignet.

Der damalige Architekt könnte also mit einem entsprechenden Wissen sehr wohl die richtige Entscheidung mit GK 3 getroffen haben.

Zumindest ist eine umfangreichere statisch-konstruktive Prüfung notwendig wie nur die Raumhöhe...

Do., 10.12.2015 - 17:19
Status: Veröffentlicht
Vielen Dank...

...für die schnelle und ausführliche Antwort!

Bild des Benutzers Anger Groh Architekten (Architekt/in)
Do., 10.12.2015 - 13:53
Status: Veröffentlicht
Dann...

...ist das Gebäude, soweit aus Ihren Informationen heraus erkennbar, eindeutig der Gebäudeklasse 4 zuzuordnen. Bei der Einstufung ist es nicht entscheidend wie das Gebäude tatsächlich genutzt wird, sondern ob in einem Geschoss mit > 7 m Fußbodenhöhe über Gelände Aufenthaltsräume möglich wären.

 

Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die bauordnungsrechtliche Beurteilung des Brandschutzes, sondern z.B. auch darauf, wer den Brandschutznachweis erstellen darf: Bei Gebäudeklasse 3 ist hierzu (unter anderem) jeder Architekt berechtigt, bei Gebäudeklasse 4 sind dies nur Planer, die in der separaten Liste ("Brandschutzplaner") einer Architekten- oder Ingenieurkammer eingetragen sind und die dafür ihre besonderen Kenntnise im Bereich Brandschutz nachgewiesen haben.

 

Eine erste Übersicht über die Auswirkungen der Einordnung des Gebäudes in die Gebäudeklasse 4 statt 3 bietet auf bauwion.de die "Checkliste Gebäudeklassen: Brandschutzanforderungen" im Bereich "Hilfen".

 

In Ihrem Fall handelt es sich ja um ein Bestandsgebäude. Insofern ist nicht davon auszugehen, dass die gem. der aktuellen BayBO für Gebäude der Gebäudeklasse 4 gestellten Anforderungen vollumfänglich vorhanden bzw. hergestellt werden müssen, sofern Abweichungen ggf. einem früher zulässigen und so genehmigten Zustand entsprechen und keine erheblichen Gefahren durch die Abweichungen entstehen.

 

Inwieweit die jetzt geplante Umnutzung Anpassungen des Brandschutzes im Gebäude erfordert, kann hier nicht beurteilt werden. Ein besonderes Augenmerk ist auf die vor fünf Jahren offensichtlich falsch erfolgte Zuordnung des Gebäudes zur Gebäudeklasse 3 zu legen, da unter Umständen damals genehmigte Sachverhalte zu unzureichenden Brandschutzanforderungen geführt haben, die dann ggf. auch nicht vom Bestandsschutz gedeckt sind.

Do., 10.12.2015 - 11:37
Status: Veröffentlicht
Hallo,

vielen Dank für die schnelle Rückmeldung, zu Ihren Fragen:

  • in welchem Bundesland steht das Gebäude? Das Gebäude befindet sich in Bayern
  • wie sieht der Spitzboden aus, wären dort rein geometrisch Aufenthaltsräume im Sinne der geltenden Landesbauordnung möglich (Beispiel Bayern gem. Art 45 BayBO: lichte Raumhöhe über der Hälfte der Nutzfläche mindestens 2,20 m lichte Raumhöhe, wobei Raumteile mit einer lichten Raumhöhe unter 1,50 m nicht mitgerechnet werden)? hab ich überprüft: im Spitzboden wären gemäß dieser Definition Aufenthaltsräume möglich.
Bild des Benutzers Anger Groh Architekten (Architekt/in)
Do., 10.12.2015 - 10:15
Status: Veröffentlicht
Um...

...die Frage beantworten zu können, wären noch ein paar Informationen erforderlich:

 

  • in welchem Bundesland steht das Gebäude?
  • wie sieht der Spitzboden aus, wären dort rein geometrisch Aufenthaltsräume im Sinne der geltenden Landesbauordnung möglich (Beispiel Bayern gem. Art 45 BayBO: lichte Raumhöhe über der Hälfte der Nutzfläche mindestens 2,20 m lichte Raumhöhe, wobei Raumteile mit einer lichten Raumhöhe unter 1,50 m nicht mitgerechnet werden)?