Fr., 11.09.2020 - 13:54
Status: Veröffentlicht
Bodengutachten des Nachbargrundstückes verwenden?

Hallo,

es ist natürlich nicht das Gleiche, wenn das Gutachten eines Nachbargrundstückes statt einem eigenen Gutachten verwendet wird. Das beginnt schon mit der Haftung des Gutachters, die naturgemäß nur gegenüber dem Auftraggeber, hier also vermutlich dem Eigentümer des Nachbargrundstückes, gilt. Auch ist eine Verwendung des Gutachtens ohne die Zustimmung des Verfassers gegenüber diesem unfair und birgt die Gefahr von Regressanspüchen, wenn er davon erfährt.

 

Inhaltlich kann man natürlich schon aus dem Gutachten Rückschlüsse auf das daneben liegende Grundstück ziehen, z.B. dürfte sich der Bemessungswasserstand beider Grundstücke nicht wesentlich unterscheiden, sofern es sich nicht um Hanggrundstücke handelt. Ob das auch für die Tragfähigkeit des Bodens gilt, läßt sich nicht so pauschal sagen, da der Untergrund auch innerhalb kleiner Flächen sehr heterogen sein kann.

 

In einem ähnlichen Fall habe ich aus dem Gutachten des Nachbargrundstückes in einer frühen Planungphase erste Erkenntnisse zum Untergrund gezogen, werde aber dennoch dem Bauherrn aus den geschilderten Gründen empfehlen, ein eigenes Gutachten erstellen zu lassen. Eine Fehleinschätzung, den Untergrund eines Gebäudes betreffend, kann im schlimmsten Fall bis zum Totalschaden für das Gebäude führen und dazu steht die doch eher kleine Kosteneinsparung durch das Weglassen des Gutachtens aus meiner Sicht in keinem Verhältnis.