Brandschutz bei Bestandsgebäuden mit geringem Abstand zum Nachbargebäude

 

Hallo Zusammen,

 

 

Ich habe wiedermal eine Frage zum Thema Brandschutz bei Bestandsgebäuden die mir ein potenzieller Bauherr gestellt hat:

 

Es geht um das Haus Nr.19 (Fl.-Nr.368). Durch den Einbau der dritten Wohneinheit wird es zur Gebäudeklasse 3 zudem steht der gesamte Straßenzug unter Ensembleschutz.

 

Außen wird am Gebäude nichts verändert. Das Problem ist das vor allem Nach Süd-Westen hin nur ein Abstand von ca. 1,30m zum Nachbarn hin besteht. Beide Gebäude besitzen im Bestand Fenster an dieser Grenze.

 

Gibt es eine Möglichkeit innerhalb eines Antrags auf Baugenehmigung das Bauvorhaben und den Brandschutz in den Griff - ohne eine Brandwand zu erstellen?  

 

Sämtliche Nachbarn unterschreiben das Vorhaben...

 

Vielen Dank schon mal für eure Antworten!

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Mi., 26.02.2020 - 12:53
Status: Veröffentlicht
Brandschutz bei Bestandsgebäuden mit geringem Abstand zum Nachbargebäude

Hallo,

 

man muss bei der Frage aus meiner Sicht unterscheiden zwischen der Bestandssituation (ohne die aktuell beabsichtigen Nutzungsänderungen) und der sich ändernden  Situation durch die beabsichtigten Nutzungsänderungen:

 

Bestandssituation: wenn zwei Nachbarwände mit Fenstern in einem Abstand von nur 1,30 m zueinander stehen, ist in jedem Fall davon auszugehen, dass im Abgleich zur aktuellen (bayerischen?) Bauordnung die erhöhte Gefahr einer Brandausbreitung über Gebäude und Grundstücksgrenzen hinweg gegeben ist. Selbst wenn beide Gebäude so irgendwann mal genehmigt wurden und daher grundsätzlich Bestandsschutz genießen, stellt sich aus meiner Sicht die Frage, ob die Brandausbreitungsgefahr durch den geringen Abstand der Gebäude und die Fenster nicht so konkret ist, dass hier auch ohne Nutzungsänderung Maßnahmen zur Verbesserung notwendig werden.

 

Nutzungsänderung: für die Nutzungsänderung und die sich dadurch ändernde Gebäudeklasse ist im Rahmen des Brandschutznachweises ein Abgleich aller einzuhaltenen bzw. von der aktuellen Bauordnung abzuweichenden Tatbestände zu erstellen. Alle Abweichungen müssen dabei bauaufsichtlich genehmigt oder durch einen Prüfsachverständigen für Brandschutz bescheinigt werden. Dies setzt dann natürlich voraus, dass die Schutzziele der Bauordnung dennoch erreicht werden, ggf. auch mithilfe von materiellen Kompensationen. Ob dies auch ohne die Herstellung einer Brandwand möglich sein wird, läßt sich aus meiner Sicht so isoliert nicht beantworten, sondern nur im Rahmen einer Abwägung im Brandschutznachweis.