Haustechnikplanung bei einem Einfamilienhaus

Wie ist das eigentlich grundsätzlich mit der Planung der Haustechnik (Elektro, Heizung, Wasser, Abwasser, Lüftung) bei einem Einfamilienhaus? Einem Bauherrn sind die vorliegenden Angebote der Fachplaner zu teuer und er meint, dass ihm ein befreundeter Architekt geraten hat, es ohne Fachplaner zu machen, also einfach direkt Angebote entsprechender Firmen einzuholen und zu beauftragen.

 

Ist das üblich und empfehlenswert? Und wer kontrolliert in diesem Fall die Qualität der ausgeführten Leistungen und die Rechnungen der Firmen?

Bild des Benutzers Anger Groh Architekten (Architekt/in)
Do., 17.03.2016 - 13:51
Status: Veröffentlicht
Der Verzicht...

...auf eine haustechnische Fachplanung bei einem Einfamilienhausbau kommt in der Praxis vor. Ob er empfehlenswert ist, sei dahingestellt. Nachfolgend eine Einschätzung der Vor- und Nachteile eines Verzichts:

 

Vorteile des Verzichts auf eine Fachplanung für den Bauherrn:

  • (zunächst) Einsparung der Kosten für die Fachplanung
  • ein Ansprechpartner für das Gewerk, d.h. keine Schnittstelle zwischen Planer und Ausführendem

Nachteile des Verzichts auf eine Fachplanung für den Bauherrn:

  • aufgrund einer fehlenden unabhängigen Planung und dem Fehlen von Leistungsverzeichnissen keine objektive Vergleichsmöglichkeit verschiedener Angebote und keine Kontrolle über die Wirtschaftlichkeit der Angebote/ der Ausführung
  • die vermeintliche Einsparung durch Verzicht auf den Fachplaner kann im Ergebnis auch zu Mehrkosten führen, z.B. durch die fehlende Prüfung der Angebote und die fehlende Überwachung der Ausführung.
  • Der Bauherr muss sich selbst deutlich mehr in die Planung einbringen, als dies mit einem Fachplaner erforderlich wäre, z.B. Entscheidung über durch die Firma vorgeschlagene Ausführungsvarianten, oder Prüfung/ Freigabe von Nachträgen während der Ausführung

Vorteile des Verzichts auf eine Fachplanung für den Architekten:

  • keine?

Nachteile des Verzichts auf eine Fachplanung für den Architekten:

  • unbedingt (schriftliche) Klarstellung erforderlich, dass der Architekt die fehlende Fachplanung und -bauleitung nicht mit übernimmt
  • kein unabhängiger Ansprechpartner für die Abstimmung der Schnittstellen zwischen der Hochbauplanung/ -ausführung und den TGA-Gewerken. U.U. Mehraufwand durch Abstimmungen mit der TGA-Firma unter Einbindung des Bauherrn

Fazit: Wenn trotz der geschilderten Nachteile auf einen Fachplaner verzichtet werden soll, setzt dies in besonderem Maße das Vertrauen des Bauherrn in die eigenständige, fachlich einwandfreie und wirtschaftliche Umsetzung der Leistungen durch die Fachfirma voraus. Spätestens bei Einfamilienhäusern mit überdurchschnittlich komplexer technischer Ausstattung sollten jedoch unbedingt entsprechende unabhängige Fachplaner hinzugezogen werden.