Fachwissen zu diesem Thema

Mehr über Fertigteilestrich

Neben der gegenüber Baustellenestrichen deutlich verkürzten Wartezeit bis zur Belegreife (auch bei Verklebung i.d.R. nach 1-2 Werktagen) führt die trockene Einbringung des Estrichs auch zu keiner Feuchtigkeitsbelastung des Gebäudes und erspart den mit einer kontrollierten Trocknung von Baustellenestrichen verbundenen Lüftungsaufwand ebenso wie eine Prüfung der Belegreife, z.B. durch CM-Messungen. Auch die besonders bei zementären Baustellenestrichen gegebene Gefahr der Wölbung (Aufschüsselung) der Ränder besteht nicht. Fertigteilestiche erlauben zudem geringere Aufbauhöhen und haben ein geringeres Flächengewicht, was insbesondere bei der Altbausanierung ein entscheidender Vorteil sein kann. In Verbindung mit einer Fußbodenheizung führt die geringere Masse auch zu einer geringeren Trägheit der Heizflächen und damit zu einer schnelleren Aufheizung.

Hinweise zur Planung

Neben den vorausgehend beschriebenen Vorteilen sind jedoch folgende Aspekte bei der Entscheidung für einen Fertigteilestrich mit zu berücksichtigen:

Sachverhalt

Besonderheiten Fertigteilestrich

Technische Regeln/ Verwendbarkeitsnachweis

  • durch Materialeigenschaften und Verwendung zumeist nicht im Anwendungsbereich der DIN 18560 für Estriche, d.h. ungeregeltes Produkt (Sonderkonstruktion)
  • Technische Regeln und Verwendbarkeitsnachweis durch Hersteller (abP oder abZ), auch bezüglich Anforderungen an Untergrund/ Belag
  • Abweichungen davon können für Planer und ausführende Firmen ein erhöhtes Haftungsrisiko bedeuten, z.B. bei auftretenden Rissen oder bei Auswirkungen auf Brandschutz-, Schallschutz- und Wärmeschutzanforderungen

Untergrund

muss absolut eben sein, ggf. mithilfe einer Spachtelung/ Schüttung

Luft-/ Trittschalldämmung

teilweise geringere Werte gegenüber Baustellenestrichen, aufgrund der geringeren flächenbezogenen Masse

Fußbodenheizungen

vom Hersteller festgelegte maximale Vorlauftemperaturen sind zu berücksichtigen

Bodenbeläge

teilweise Einschränkungen bei der Auswahl, z.B. Fliesen/ Platten nur bis zu einer vom Hersteller festgelegten maximalen Größe

mechanische Belastbarkeit

teilweise Einschränkungen, insbesondere bei hohen Punktlasten, z.B. durch Stuhlrollen oder Baustellenbetrieb

Kosten

Kosten liegen teilweise über denen von Baustellenestrichen

Anwendung der VOB C: Ist die VOB C Vertragsbestandteil bei der Ausführung, so fallen Fertigteilestriche nicht unter VOB C DIN 18353 (Estricharbeiten), sondern unter VOB C DIN 18340 (Trockenbauarbeiten).

Verlegearten: Die möglichen Verlegearten von Fertigteilestrichen sind nicht genormt, sondern werden jeweils vom Hersteller angegeben. Beispiele hierzu s. Lexikonbeitrag Verlegearten bei Fertigteilestrichen

Schallschutz und Wärmeschutz: Die Erfüllung ggf. an den Bodenaufbau gestellter Anforderungen an den Schallschutz und/ oder den Wärmeschutz gehören zu den wesentlichen Aufgaben eines Fertigteilestrichs. In Ermangelung allgemeingültiger eingeführter Technischer Regeln ist hier anhand der technischen Unterlagen des jeweiligen Herstellers und übertragen auf den konkreten Anwendungsfall zu prüfen, ob die gestellten Anforderungen eingehalten werden. Über die Webseiten vieler Hersteller sind  hierzu umfangreiche Beispielaufbauten mit den jeweiligen Schallschutz- und Wärmeschutzwerten verfügbar. Grundsätzlich lässt sich folgendes sagen:

  • Dämmstoffe aus EPS dienen in erster Linie der Erfüllung von Wärmeschutzanforderungen
  • auch Schüttungen können, neben der Erfüllung weiterer Aufgaben, z.B. der Funktion als Ausgleichsschicht bei einem unebenen Untergrund oder bei der Verlegung von Installationen, für die Erfüllung von Wärmeschutzanforderungen dienen
  • Dämmstoffe aus Holzfaser oder Mineralwolle verbessern insbesondere maßgeblich die Reduzierung des Trittschalls

Bestehen gleichzeitig erhöhte Anforderungen an den Trittschall- und den Wärmeschutz werden oftmals, wie bei Baustellenestrichen auch, zwei verschiedene Dämmschichten unterhalb der Estrichelemente angeordnet, wobei die Trittschalldämmung unmittelbar unter den Estrichelementen liegt.

An den Estrichelementen werkseitig aufkaschierte Dämmschichten haben hierbei einen wirtschaftlichen Vorteil durch die Verlegung in einem Arbeitsgang.

Brandschutz: Bei allen Fertigteilestrichen, Dämmschichten und Schüttungen wird die Klasse des Brandverhaltens vom Hersteller angegeben. Bei bereits länger im Verkehr befindlichen Produkten erfolgt dies nach DIN 4102-1, bei ab dem 01.01.2002 zugelassenen Produkten nach DIN EN 13501-1.

Wichtig wird dies z.B., wenn im Verwendbarkeitsnachweis einer Brandschutztür Vorgaben zur Ausführung des Bodenaufbaus im Türbereich gemacht werden, wenn z. B. keine brennbaren Baustoffe unterhalb der Tür durchgeführt werden dürfen. In diesem Fall ist der gesamte Aufbau (Estrich, Schüttungen, Dämmschichten, Trennlagen, Randstreifen, Bodenbelag) dahingehend zu überprüfen, ob die vorgesehenen Materialien einen Einbau im Bereich der Tür zulassen.

Neben dem Verhalten der Baustoffe im Brandfall können Fertigteilestriche auch Anforderungen an die Feuerwiderstandfähigkeit der Decke als raumabschließendes Bauteil übernehmen, im Regelfall in Verbindung mit der darunter liegenden Rohdecke. So kann z.B. eine im Bestand feuerhemmend ausgebildete Massivdecke mit dem entsprechenden Bodenaufbau auf feuerbeständig ertüchtigt werden, wobei dann die  gleichzeitige Ertüchtigung der Rohdecke von unten durch eine entsprechend klassifizierte Unterdecke erforderlich werden kann.

Installationen: Technische Kabel-/ Rohrinstallationen im Bodenaufbau unterhalb eines Fertigteilestrichs werden in der Regel in einer Schüttungsebene verlegt. Bei einer losen Schüttung gibt es vom Hersteller Vorgaben zur erforderlichen Überschüttungshöhe der Rohre (bzw. nach VOB C DIN 18340: mindestens 10 mm). Bei einer gebundenen Schüttung ist keine Überschüttung der Rohre erforderlich, wenn die vom Hersteller vorgegebene Mindeststärke der gebundenen Schüttung eingehalten und oberhalb dieser eine ungeschwächt durchlaufende Trittschalldämmung angeordnet wird. Weitere Details zur Ausführung, z.B. zum erforderlichen Mindestabstand zwischen Einzelrohren und zur maximalen Bündelbreite von Installationen, sind gemäß den Herstellervorgaben zu berücksichtigen.

Hinweise zur Bauausführung

Untergrund: Der Untergrund muss die hinsichtlich Tragfähigkeit, Brandschutz, Trockenheit, Ebenheit und geplanter Bodenaufbauhöhe festgelegten Anforderungen erfüllen. Weitere Festlegungen des Herstellers zu Art und Beschaffenheit des Untergrundes sind zu beachten, wie z.B. die grundsätzliche Eignung und die maximal zulässige Durchbiegung von Holzdielen für den gewählten weiteren Aufbau. Bei Stahlbetondecken ist unterhalb des Bodenaufbaus eine Trennfolie, z.B. eine 0,2 mm starke PE-Folie, an den Stößen mindestens 20 cm überlappend, anzuordnen, die an aufgehenden Bauteilen, z.B. Wänden, bis zur Oberkante des Belags hochzuführen ist. Bei feuchtebeanspruchten Bodenplatten im Erdreich ist vor dem weiteren Bodenaufbau eine Abdichtung nach DIN 18195-4 auszuführen.

Verarbeitungsbedingungen: Nach VOB C DIN 18340 erfordern Spachtelarbeiten eine Mindesttemperatur von 10° C. Bei der Verarbeitung sind weitere Vorgaben der Hersteller, z.B. zu Umgebungstemperaturen zu berücksichtigen. Insbesondere die Oberflächen gipshaltiger Fertigteilestriche sind empfindlich und vor weiterem Baustellenverkehr zu schützen, im Regelfall sollten sie daher erst unmittelbar vor den weiteren Bodenbelagsarbeiten verlegt werden.

Belegreife des Estrichs: Im Gegensatz zu Baustellenestrichen ist die Belegreife eines Fertigteilestrichs nicht vor Ort zu ermitteln, z.B. durch CM-Messung, sondern ist dann gegeben, wenn die vom Hersteller vorgeschriebenen Trocknungszeiten (z.B. für Verklebungen und Spachtelungen) eingehalten wurden.

Wichtige Anschlussbauteile

Bodenbeläge, z.B. ► 410 | Parkett und Dielenböden aus Massivholz, ► 411 | Laminat- und Multilayer-Bodenbeläge► 412 | Elastische Bodenbeläge, ► 413 | Textile Bodenbeläge, ► 414 | Keramische Bodenbeläge Je nach gewähltem Bodenbelag kann eine Vorbehandlung, wie z.B. Verspachtelung oder Grundierung, des Fertigteilestrichs nötig sein.

Normen und Literatur

Hinweis: Da es sich bei Fertigteilestrichen überwiegend um ungeregelte Bauprodukte handelt, kommt den technischen Hinweisen der Hersteller besondere Bedeutung zu, z.B. in Merkblättern oder im Verwendbarkeitsnachweis.
 
DIN 18340, VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten
 
DIN EN 13162 - DIN EN 13171, Wärmedämmstoffe für Gebäude

DIN EN 13318, Estrichmörtel und Estriche - Begriffe

ZDB-Merkblatt Rohre, Kabel und Kabelkanäle auf Rohdecken - Hinweise für Estrichleger und Planer, Herausgeber: Bundesverband Estrich und Belag e.V. (BEB); Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V. (ZDB), Stand 08/2003