Fachwissen zu diesem Thema

Mehr über Deckenbekleidungen und Unterdecken aus Holz oder Holzwerkstoffen

Anwendungsbeispiele: Die Anwendungsmöglichkeiten für Deckenbekleidungen/ Unterdecken aus Holz oder Holzwerkstoffen sind vielfältig und hängen stark vom konkreten Produkt ab. Bei folgenden Neubau- und Sanierungsvorhaben kommen sie häufig zur Ausführung:

  • Verkaufsräume und Gewerbeflächen
  • Wohnbereiche
  • Hotels und Gaststätten
  • Bürogebäude
  • Öffentliche Gebäude
  • Turnhallen

Hinweise zur Planung

Anforderungen: Ebenso vielfältig wie die Anwendungsmöglichkeiten sind die technischen und gestalterischen Anforderungen, die projektabhängig an Deckenbekleidungen und Unterdecken aus Holz oder Holzwerkstoffen gestellt werden können:

  • Gestaltung: Oberer Raumabschluss als hochwertige Deckenuntersicht bzw. zur Bekleidung von technischen Installationen, Veränderung der Raumproportionen durch Reduzierung der lichten Raumhöhe
  • Brandschutz: Anforderungen das Brandverhalten der verwendeten Baustoffe
  • Akustik: Insbesondere Verbesserung der Nachhallzeiten des Raumes (Schallabsorption) und Schalldämmung
  • Ballwurfsicherheit: Erforderlich z.B. nach DIN 18 032 für Sporthallen
  • Widerstand gegen Windbeanspruchung: Aufnahme von Windlasten im Gebäudeinneren durch geeignete konstruktive Maßnahmen, wenn diese zu erwarten sind.

Anforderungen und Prüfverfahren für Unterdecken werden dabei insbesondere in DIN EN 13964 festgelegt.

Brandschutz: Deckenbekleidungen und Unterdecken müssen in bestimmten Einbausituationen Anforderungen das Brandverhalten der verwendeten Baustoffe erfüllen (z.B. schwer entflammbar, kein brennendes Abtropfen/ Abfallen). Anforderungen an eine Feuerwiderstandfähigkeit als raumabschließendes Bauteil, allein oder in Verbindung mit der darüber liegenden Rohdecke, können durch Deckenbekleidungen/ Unterdecken mit einer Decklage aus Holz oder Holzwerkstoffen im Allgemeinen nicht erfüllt werden.

Widerstand gegen Windbeanspruchung: Unterdecken im Gebäudeinneren müssen gem. DIN EN 13964 durch geeignete konstruktive Maßnahmen Windlasten aufnehmen können, wenn diese zu erwarten sind, z.B. durch offene Türen und Fenster. Dabei müssen sie stabil und unversehrt bleiben und dürfen insbesondere nicht versagen oder einstürzen. Zum Abheben neigende Decklagen in kritischen Bereichen wie Eingangshallen, in den Ecken und oberen Geschossen mehrgeschossiger Gebäude sowie in der Nähe offener Fenster und Türen sind gem. DIN EN 13964 festzuklemmen. Bei größeren Gebäudeöffnungen, z.B. bei großen Toren, bei Unterdecken in offenen Zugängen oder in Parkhäusern, muss die Widerstandsfähigkeit gegen Winddruck und -sog gesondert nachgewiesen werden.

Modulmaße gem. DIN EN 13964: Üblicherweise basieren Modulmaße für Unterdecken auf einem Vielfachen von 100 mm, Untermodule auf einem Vielfachen von 50 oder 25 mm. Dies gilt gleichermaßen für alle Decklagen, also für quadratische Rasterdecken ebenso wie für längsgerichtete Paneeldecken.

Beleuchtung: In Deckenbekleidungen und Unterdecken aus Holz oder Holzwerkstoffen können vielfältige Deckeneinbauleuchten integriert werden, die dem verwendeten Deckenraster entsprechen. Längliche Formate speziell für Paneeldecken oder rechteckige/ quadratische Formate z.B. für Kassetten- oder Gitter-/ Wabendecken lassen sich exakt in das Modulmaß der Unterdecke integrieren, ohne unschöne Anschnitte der angrenzenden Decklagenbauteile.

Deckenspiegel: Bei der Planung von Deckenbekleidungen und Unterdecken aus Holz oder Holzwerkstoffen ist die Erstellung eines Deckenspiegels in der Regel sinnvoll bzw. erforderlich. Der Deckenspiegel ist eine senkrechte Projektion der Deckenuntersicht als Spiegelung. In den Deckenspiegel sind alle Angaben aufzunehmen, die für die Herstellung der Unterdecke einschließlich aller An-, Auf- und Einbauteile wichtig sind. Dies ermöglicht eine Gesamtplanung der Unterdecke einschließlich der Berücksichtigung von seitlich angrenzenden Bauteilen, Höhensprüngen und technischen Elementen wie z.B. Einbauleuchten und Lüftungsauslässen. Oft ist es dabei sinnvoll, Achsen festzulegen, z.B. mittig zum Raum oder zu Tür-/ Fensteröffnungen, die gewerkeübergreifend die Position von Einbauteilen festlegen. Weiteres dazu einschließlich Beispiel eines Deckenspiegels s. Lexikonbeitrag Deckenspiegel.

Unterkonstruktion: Eine Unterkonstruktion von Unterdecken aus Holz oder Holzwerkstoffen besteht in der Regel aus Grundprofilen (Tragprofilen), die in Abständen entsprechend der Zulassung bzw. den technischen Regeln montiert werden. Oftmals bilden die Grundprofile zusammen mit quer verlaufenden zusätzlichen Verbindungsprofilen einen Rost. Die Grundprofile werden über Abhänger an der darüber liegenden Rohdecke befestigt. Gitter- bzw. Wabendecken werden ohne zusätzliche Grundprofile direkt von der Rohdecke abgehängt. Abhänger gibt es aus verzinktem Draht, Federstahl, Gewindestäben, Aluminium- oder Stahlblech. Die Befestigung im Untergrund muss mit für den jeweiligen Baustoff zugelassenen Befestigungsmitteln (z.B. Dübel, Setzbolzen) erfolgen.

Bei Deckenbekleidungen aus Holz oder Holzwerkstoffen erfolgt die Befestigung der Unterkonstruktion unmittelbar an der Rohdecke, ohne eine zusätzliche Deckenabhängung. Dies erfordert im Gegensatz zu einer Unterdecke in der Regel einen ebenen Untergrund.

Konstruktionshöhe: Die Konstruktionshöhe von Unterdecken ergibt sich aus der Decklagenstärke, der Höhe der Unterkonstruktion und der Abhängung. Für das lichte Maß in der Zwischendecke, z.B. als Installationsraum für technische Leitungen, sind die Decklagenstärke und die Höhe der Unterkonstruktion abzuziehen.

Die Konstruktionshöhe von Deckenbekleidungen ergibt sich aus der Decklagenstärke und der Höhe der Unterkonstruktion. Kleinere Leitungsführungen in der Ebene der Unterkonstruktion, z.B. die Kabelzuleitungen von Deckeneinbauleuchten, sind zumeist nach Herstellerangaben möglich.

Schallschutz: Geschlossene Deckenbekleidungen und Unterdecken verbessern in aller Regel deutlich den Schallschutz zu den darüber liegenden Gebäudebereichen. Zu den Verbesserungen sind jedoch keine allgemeingültigen Aussagen möglich, da hierbei zu viele Randbedingungen, insbesondere die Bauart der flankierenden Bauteile und der Rohdecke, eine Rolle spielen. Das genaue Maß der Verbesserung ist also im Einzelfall unter Berücksichtigung der konkreten Einbausituation zu prüfen, zu berechnen und ggf. nach VDI 3755 zu bewerten.

Schallabsorption von Akustikdecken: Der Einbau von Akustikdecken verbessert die sogenannten Nachhallzeiten eines Raumes, die neben dem Raumvolumen vor allem vom Schallabsorptionsvermögen der Raumoberflächen abhängen. Für die jeweilige Nutzung falsch oder nicht berücksichtigte Nachhallzeiten können bei bestimmten Räumen, z.B. Turnhallen, bis hin zur Unbenutzbarkeit des Raumes führen, wenn z.B. die Verständigung durch zu lange Nachhallzeiten unzumutbar erschwert wird.

Wichtige Hinweise für die Hörsamkeit in Räumen enthält die DIN 18041, die Räume in die Gruppen A und B einteilt. Zur Gruppe A gehören Räume, in welchen die Sprachkommunikation über mittlere bis größere Entfernungen gesichert werden muss (z. B. Konferenzräume, Festsäle, Gemeindesäle, Unterrichts- und Tagungsräume, Hörsäle, Gruppenräume in Kindergärten und Kindertagesstätten, Seniorentagesstätten, Sport- und Schwimmhallen). Gruppe B sind Räume, in denen die Sprachkommunikation bei geringer Entfernung stattfindet (z. B. Verkaufsräume, Gaststätten, Bankschalter, Sprechzimmer in Arztpraxen, Büroräume, Operationssäle, Behandlungsräume, Krankenzimmer, Werkräume, Publikumsverkehrsflächen, Bibliotheken und Lesesäle).

Das Schallabsorptionsvermögen wird nach DIN EN ISO 11654 in die sechs Klassen A (höchst absorbierend, > 90 % Schallabsorption) – E (gering absorbierend, 15 – 25 % Schallabsorption) eingeteilt. Bei der Bewertung nach VDI 3755 ist auch noch eine Klasse F (reflektierend, ≤ 10 % Schallabsorption) vorgesehen.

Zu den einzelnen Akustikplatten werden vom Hersteller die Schallabsorptionsgrade und Schallabsorptionsklassen angegeben. Manche Hersteller bieten auch online kostenlose Raumakustik-Rechner an für die unkomplizierte Berechnung von Nachhallzeiten.

Gebogene Deckenoberflächen: Mit Deckenbekleidungen und Unterdecken aus Holz oder Holzwerkstoffen lassen sich auch gebogene Deckenoberflächen herstellen, insbesondere bei Paneeldecken. Dabei werden gerade Paneele auf gebogene Tragschienen montiert, die so konkave, konvexe oder auch wellenförmige Deckenuntersichten ermöglichen.

Feuchträume: Deckenbekleidungen und Unterdecken aus Holz oder Holzwerkstoffen sind zum Teil in bestimmten Feuchträumen wie z.B. Hallenbädern einsetzbar, wenn die entsprechende Eignung vom Hersteller bestätigt wird und die vorgegebenen Randbedingungen, insbesondere die maximal zulässige Luftfeuchte, eingehalten werden. Die Feuchtraumeignung ist vom Hersteller anzugeben, unter Zuordnung des Unterdeckensystems zu einer der Beanspruchungsklassen gem. DIN EN 13964, s. auch Lexikonbeitrag Unterdecke, Beanspruchungsklasse gem. DIN EN 13964. Besonders Decken in Räumen mit erhöhter Luftfeuchtigkeit und mit korrosiven Verunreinigungen, z.B. der Salz- oder Chloridbelastung in einem Schwimmbad, erfordern einen erhöhten Korrosionsschutz aller Metallbauteile der Unterkonstruktion, je nach Beanspruchungsklasse und Material z.B. durch Anodisierung, elektrolytische Verzinkung, Bandbeschichtung oder organische Beschichtung.

Ballwurfsicherheit: Wenn eine Ballwurfsicherheit erforderlich ist, z.B. in Turnhallen, ist zu prüfen, ob das gewählte Unterdeckensystem hierfür geeignet und zugelassen ist.

Hinweise zur Bauausführung

Montagebeginn: Anhang A zur DIN EN 13964 enthält (informativ) Anforderungen an die Baustelle, die beim Montagebeginn von Unterdecken erfüllt sein müssen, soweit diesbezüglich vom Hersteller keine abweichenden Bedingungen festgelegt werden:

  • Gebäude im Wesentlichen verglast, wind- und/ oder wasserdicht,
  • Maurerarbeiten abgeschlossen,
  • Relative Luftfeuchte ≤ 70%,
  • Temperatur ≥ 7 °C.

Ebenheit/ Ausführungstoleranzen: Zulässige Ausführungstoleranzen und die erforderliche Ebenheit von Unterdeckensystemen sind in DIN EN 13964 (Tabellen 3/ 4/ 5 und Anhang A.5.2) geregelt.

Normen und Literatur

DIN 18041, Hörsamkeit in Räumen; Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise für die Planung

DIN 18340, VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten

DIN EN 13964, Unterdecken - Anforderungen und Prüfverfahren

DIN EN ISO 11654, Akustik - Schallabsorber für die Anwendung in Gebäuden - Bewertung der Schallabsorption (ISO 11654)

VDI 3755, Technische Regel, Schalldämmung und Schallabsorption abgehängter Unterdecken