Fachwissen zu diesem Thema

Mehr über Unterdecken mit metallischer Decklage

Anwendungsmöglichkeiten: Die Anwendungsmöglichkeiten für Unterdecken mit metallischer Decklage sind vielfältig und hängen stark vom jeweiligen Produkt ab. Bei folgenden Neubau- und Sanierungsvorhaben kommen sie häufig zur Ausführung:

  • Größere Verkaufsräume und Gewerbeflächen
  • Büro- und Werkstatträume
  • Medizinische und technische Reinräume
  • Öffentliche Gebäude
  • Sanitär- und Umkleideräume, z.B. in öffentlichen Gebäuden
  • Schwimm- und Sporthallen

Hinweise zur Planung

Anforderungen: Ebenso vielfältig wie die Anwendungsmöglichkeiten sind die technischen und gestalterischen Anforderungen, die projektabhängig an Unterdecken mit metallischer Decklage gestellt werden können:

  • Gestaltung: Oberer Raumabschluss als hochwertig gestaltete Deckenuntersicht bzw. zur Bekleidung von technischen Installationen, Veränderung der Raumproportionen durch Reduzierung der lichten Raumhöhe
  • Brandschutz: Anforderungen das Brandverhalten der verwendeten Baustoffe und an den Feuerwiderstand der Unterdecke als raumabschließendes Bauteil, s. auch Lexikonbeitrag ► Feuerwiderstandsfähigkeit der Deckenbekleidung/ Unterdecke
  • Akustik: Insbesondere Verbesserung der Nachhallzeiten des Raumes (Schallabsorption) und Schalldämmung
  • Beheizung/ Kühlung: Einsatz der Unterdecke als Wärme-/ Kälteübertragungsfläche
  • Ballwurfsicherheit: Erforderlich z.B. nach DIN 18 032 für Sporthallen
  • Feuchtraumeignung: Bei Einsatz in Räumen mit Spritzwassergefährdung und/ oder mit vorübergehend bzw. dauerhaft erhöhter Luftfeuchtigkeit, auch mit salz- oder chloridhaltiger Luft
  • Tages- und Kunstlichtlenkung: Mit für die Lichtreflexion geeigneten Spezialsystemen
  • Hygiene: Glatte und leicht zu reinigende Oberflächen bei erhöhten Anforderungen an die Raum- und Oberflächenhygiene, z.B. in Reinräumen
  • Widerstand gegen Windbeanspruchung: Aufnahme von Windlasten im Gebäudeinneren durch geeignete konstruktive Maßnahmen, wenn diese zu erwarten sind.

Anforderungen und Prüfverfahren für Unterdecken werden dabei insbesondere in DIN EN 13964 festgelegt.

Brandschutz: Unterdecken müssen in bestimmten Einbausituationen Anforderungen das Brandverhalten der verwendeten Baustoffe erfüllen (z.B. schwer entflammbar, kein brennendes Abtropfen/ Abfallen),  und/ oder an die Feuerwiderstandsfähigkeit. Diese wird bei Deckenbekleidungen/ Unterdecken dahingehend differenziert, ob sie für eine Brandbeanspruchung

  • von der Unterseite (zum Schutz der Rohdecke und des Deckenzwischenraumes),
  • vom Deckenzwischenraum (zum Schutz des darunter liegenden Raumes) oder
  • von der Unterseite und vom Deckenzwischenraum (zum Schutz der Rohdecke, des Deckenzwischenraumes und des darunter liegenden Raumes)

ausgelegt werden soll. Weiter ist bei einer Brandbeanspruchung von der Unterseite zu unterscheiden, ob die geforderte Feuerwiderstandsfähigkeit durch die Unterdecke allein oder in Verbindung mit der darüber liegenden Rohdecke erfüllt wird. Weiteres zur Feuerwiderstandsfähigkeit von Unterdecken s. Lexikonbeitrag ► Feuerwiderstandsfähigkeit der Deckenbekleidung/ Unterdecke.

Trennwandanschluss: Damit eine Deckenbekleidung/ Unterdecke mit Anforderung an die Feuerwiderstandsfähigkeit als raumabschließendes Bauteil zulassungskonform an eine aufgehende Trennwand anschließen kann, muss für die Trennwand mindestens die gleiche Feuerwiderstandsfähigkeit wie für die Unterdecke nachgewiesen sein.

Gemäß der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) müssen Leitungsanlagen im Zwischendeckenbereich von Rettungswegen brandsicher befestigt werden. Die Unterdecke darf im Brandfall nicht durch brennende bzw. herunterfallende Leitungsteile beansprucht werden.

Widerstand gegen Windbeanspruchung: Unterdecken im Gebäudeinneren müssen gem. DIN EN 13964 durch geeignete konstruktive Maßnahmen Windlasten aufnehmen können, wenn diese zu erwarten sind, z.B. durch offene Türen und Fenster. Dabei müssen sie stabil und unversehrt bleiben und dürfen insbesondere nicht versagen oder einstürzen. Zum Abheben neigende Decklagen in kritischen Bereichen wie Eingangshallen, in den Ecken und oberen Geschossen mehrgeschossiger Gebäude sowie in der Nähe offener Fenster und Türen sind gem. DIN EN 13964 festzuklemmen. Bei größeren Gebäudeöffnungen, z.B. bei großen Toren, bei Unterdecken in offenen Zugängen oder in Parkhäusern, muss die Widerstandsfähigkeit gegen Winddruck und -sog gesondert nachgewiesen werden.

Modulmaße gem. DIN EN 13964: Üblicherweise basieren Modulmaße für Unterdecken auf einem Vielfachen von 100 mm, Untermodule auf einem Vielfachen von 50 oder 25 mm. Dies gilt gleichermaßen für alle Decklagen, also für quadratische Rasterdecken ebenso wie für längsgerichtete Paneeldecken.

Seitlicher Ab-/ Anschluss der Unterdecke: Der seitliche Anschluss von Unterdecken an aufgehende Wände erfolgt in der Regel mit einem L-Winkel, der unterseitig sichtbar mit den Decklagenbauteilen abschließt und gem. DIN 18340 VOB C in den Ecken stumpf gestoßen wird:

seitlicher Unterdeckenanschlus mit L-Winkel


Über entsprechende Anschlussprofile ist auch die Ausbildung einer Schattenfuge möglich:

seitlicher Unterdeckenanschlus mit Schattenfuge


Auch ein offenes Ende ist bei vielen Unterdecken unter Berücksichtigung der Vorgaben des Herstellers möglich, dabei werden die einzelnen Decklagenbauteile durch u-förmige Profile eingefasst:

seitlicher Unterdeckenabschlus mit Profileinfassung

Beleuchtung: In Unterdecken mit metallischer Decklage können vielfältige Deckeneinbauleuchten integriert werden, die in der Größe auf das verwendete Deckenraster abgestimmt sind. Längliche Formate speziell für Paneeldecken oder rechteckige/ quadratische Formate z.B. für Kassetten- oder Gitter-/ Wabendecken lassen sich exakt in das Modulmaß der Unterdecke integrieren, ohne unschöne Anschnitte der angrenzenden Decklagenbauteile. Besonders bei Metall-Designdecken ergeben sich kreative Möglichkeiten zur Lichtgestaltung.

Deckenspiegel: Bei der Planung von Unterdecken mit metallischer Decklage ist die Erstellung eines Deckenspiegels in der Regel sinnvoll bzw. erforderlich. Der Deckenspiegel ist eine senkrechte Projektion der Deckenuntersicht als Spiegelung nach unten. In den Deckenspiegel sind alle Angaben aufzunehmen, die für die Herstellung der Unterdecke einschließlich aller An-, Auf- und Einbauteile wichtig sind. Dies ermöglicht eine Gesamtplanung der Unterdecke einschließlich der Berücksichtigung von seitlich angrenzenden Bauteilen, Höhensprüngen und technischen Elementen wie z.B. Einbauleuchten und Lüftungsauslässen. Oft ist es dabei sinnvoll, Achsen festzulegen, z.B. mittig zum Raum oder zu Tür-/ Fensteröffnungen, die gewerkeübergreifend die Position von Einbauteilen festlegen. Weiteres dazu einschließlich Beispiel eines Deckenspiegels s. Lexikonbeitrag ► Deckenspiegel.

Unterkonstruktion: Eine Unterkonstruktion von Unterdecken mit metallischer Decklage besteht in der Regel aus Grundprofilen (Tragprofilen), die in Abständen entsprechend der Zulassung bzw. den technischen Regeln montiert werden. Oftmals bilden die Grundprofile zusammen mit quer verlaufenden zusätzlichen Verbindungsprofilen einen Rost. Die Grundprofile werden über Abhänger an der darüber liegenden Rohdecke befestigt. Eine Ausnahme bilden freitragende Decken, bei denen die Decklagenbauteile ohne Deckenbefestigung bis zu der vom Hersteller angegebenen maximalen Spannweite frei von Wand zu Wand spannen, wenn z.B. die Qualität der vorhandenen Rohdecke keine zulassungskonforme Befestigung der Unterdecke an der Rohdecke zulässt. Gitter- bzw. Wabendecken werden ohne zusätzliche Grundprofile direkt von der Rohdecke abgehängt. Abhänger gibt es aus verzinktem Draht, Federstahl, Gewindestäben, Aluminium- oder Stahlblech. Die Befestigung im Untergrund muss mit für den jeweiligen Baustoff zugelassenen Befestigungsmitteln (z.B. Dübel, Setzbolzen) erfolgen. Bei einer Brandbeanspruchung des Deckenzwischenraumes benötigen die Befestigungsmittel auch hierzu eine entsprechende Zulassung.

Konstruktionshöhe: Die Konstruktionshöhe der Unterdecken ergibt sich aus der Decklagenstärke, der Höhe der Unterkonstruktion und der Abhängung. Für das lichte Maß in der Zwischendecke, z.B. als Installationsraum für technische Leitungen, sind die Decklagenstärke und die Höhe der Unterkonstruktion abzuziehen.

Schallschutz: Geschlossene Unterdecken verbessern in aller Regel deutlich den Schallschutz zu den darüber liegenden Gebäudeebenen. Zu den Verbesserungen sind jedoch keine allgemeingültigen Aussagen möglich, da hierbei zu viele Randbedingungen, insbesondere die Bauart der flankierenden Bauteile und der Rohdecke, eine Rolle spielen. Das genaue Maß der Verbesserung ist also im Einzelfall unter Berücksichtigung der konkreten Einbausituation zu prüfen, zu berechnen und ggf. nach VDI 3755 zu bewerten.

Schallabsorption von Akustikdecken: Der Einbau von Akustikdecken verbessert die sogenannten Nachhallzeiten eines Raumes, die neben dem Raumvolumen vor allem vom Schallabsorptionsvermögen der Raumoberflächen abhängen. Für die jeweilige Nutzung falsch oder nicht berücksichtigte Nachhallzeiten können bei bestimmten Räumen, z.B. Turnhallen, bis hin zur Unbenutzbarkeit des Raumes führen, wenn z.B. die Verständigung durch zu lange Nachhallzeiten unzumutbar erschwert wird.

Wichtige Hinweise für die Hörsamkeit in Räumen enthält die DIN 18041, die Räume in die Gruppen A und B einteilt. Zur Gruppe A gehören Räume, in welchen die Sprachkommunikation über mittlere bis größere Entfernungen gesichert werden muss (z. B. Konferenzräume, Festsäle, Gemeindesäle, Unterrichts- und Tagungsräume, Hörsäle, Gruppenräume in Kindergärten und Kindertagesstätten, Seniorentagesstätten, Sport- und Schwimmhallen). Gruppe B sind Räume, in denen die Sprachkommunikation bei geringer Entfernung stattfindet (z. B. Verkaufsräume, Gaststätten, Bankschalter, Sprechzimmer in Arztpraxen, Büroräume, Operationssäle, Behandlungsräume, Krankenzimmer, Werkräume, Publikumsverkehrsflächen, Bibliotheken und Lesesäle).

Das Schallabsorptionsvermögen wird nach DIN EN ISO 11654 in die sechs Klassen A (höchst absorbierend, > 90 % Schallabsorption) – E (gering absorbierend, 15 – 25 % Schallabsorption) eingeteilt. Bei der Bewertung nach VDI 3755 ist auch noch eine Klasse F (reflektierend, ≤ 10 % Schallabsorption) vorgesehen.

Zu den einzelnen Akustikplatten werden vom Hersteller die Schallabsorptionsgrade und Schallabsorptionsklassen angegeben. Manche Hersteller bieten auch online kostenlose Raumakustik-Rechner an für die unkomplizierte Berechnung von Nachhallzeiten.

Gebogene Deckenoberflächen: Mit Metall-Unterdecken lassen sich auch gebogene Deckenoberflächen herstellen, insbesondere mit Paneeldecken. Dabei gibt es Systeme

  • mit gebogenen Paneelen (=individuell nach Maß gefertigt) und gerader Tragschiene oder
  • mit geraden Paneelen und gebogener Tragschiene (=Standardprodukt).

Beide Systeme ermöglichen so konkave, konvexe oder auch wellenförmige Deckenuntersichten.

Feuchträume: Die Feuchtraumeignung von Unterdecken mit metallischer Decklage ist vom Hersteller anzugeben, unter Zuordnung des Unterdeckensystems zu einer der Beanspruchungsklassen gem. DIN EN 13964, s. auch Lexikonbeitrag ► Unterdecke, Beanspruchungsklasse gem. DIN EN 13964. Besonders Decken in Räumen mit erhöhter Luftfeuchtigkeit und mit korrosiven Verunreinigungen, z.B. der Salz- oder Chloridbelastung in einem Schwimmbad, erfordern einen erhöhten Korrosionsschutz aller Metallbauteile, je nach Beanspruchungsklasse und Material z.B. durch Anodisierung, elektrolytische Verzinkung, Bandbeschichtung oder organische Beschichtung.

Ballwurfsicherheit: Wenn eine Ballwurfsicherheit erforderlich ist, z.B. in Turnhallen, ist zu prüfen, ob das gewählte Unterdeckensystem hierfür geeignet und zugelassen ist, z.B. gem. DIN 18032.

Hinweise zur Bauausführung

Montagebeginn: Anhang A zur DIN EN 13964 enthält (informativ) Anforderungen an die Baustelle, die beim Montagebeginn erfüllt sein müssen, soweit diesbezüglich vom Hersteller keine abweichenden Bedingungen festgelegt werden:

  • Gebäude im Wesentlichen verglast, wind- und/ oder wasserdicht,
  • Maurerarbeiten abgeschlossen,
  • Relative Luftfeuchte ≤ 70%,
  • Temperatur ≥ 7 °C.

Ebenheit/ Ausführungstoleranzen: Zulässige Ausführungstoleranzen und die erforderliche Ebenheit von Unterdeckensystemen sind in DIN EN 13964 (Tabellen 3/ 4/ 5 und Anhang A.5.2) geregelt.

Angeschnittene Decklagenbauteile: Angeschnittene Decklagenbauteile wie Metallkassetten oder –paneele, z.B. im Anschluss an aufgehende Wände, müssen nach DIN EN 18340 VOB C so ausgesteift werden, dass sie sich weder am offenen Rand wellen, noch in der Fläche weiter durchhängen als gem. DIN EN 13964 zulässig.

Wichtige Anschlussbauteile

Normen und Literatur

DIN 18041, Hörsamkeit in Räumen; Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise für die Planung

DIN 18340, VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Trockenbauarbeiten

DIN EN 13964, Unterdecken - Anforderungen und Prüfverfahren

DIN EN ISO 11654, Akustik - Schallabsorber für die Anwendung in Gebäuden - Bewertung der Schallabsorption (ISO 11654)

VDI 3755, Technische Regel, Schalldämmung und Schallabsorption abgehängter Unterdecken