Fachwissen zu diesem Thema

Mehr über Flachdachabdichtungen aus Bitumen-/ Polymerbitumenbahnen

Jeder Planung sollte die aktuelle Ausgabe der zutreffenden DIN-Norm (je nach Anwendungsfall DIN 18195 bzw. DIN 18531) in Verbindung mit der aktuellen Ausgabe der Flachdachrichtlinie zugrunde liegen, die für viele planerische Einzelfälle Festlegungen enthalten und gemeinsam als allgemein anerkannter Stand der Technik zur Ausführung eines Flachdaches gelten.

Hinweise zur Planung

System: Die Verträglichkeit und Kompatibilität der verschiedenen Bauteilschichten untereinander ist zu prüfen. Die meisten Hersteller bieten aber auch geprüfte Systeme für ganze Dachaufbauten für die unterschiedlichen Anforderungen an, so dass für deren Planung Sicherheit bei der Schichtkompatibilität besteht.

Aufbau: Um den geeigneten Abdichtungsaufbau und die geeigneten Produkte für das jeweilige Projekt zu finden ist zunächst eine Analyse der Rahmenbedingungen unter Einbeziehung der zutreffenden Regelwerke erforderlich. Z. B. Welche Nutzung ist auf den Dachflächen vorgesehen? Welchen Unterbau gibt es? Welche Anwendungskategorie und  welche Beanspruchungsklasse sind bei einem ungenutzten/ extensiv begrünten Dach zutreffend? Welche Dachneigung ist vorgesehen? Ist ein Durchwurzelungsschutz erforderlich? Welche Anschlussdetails und Dachaufbauten sind mit zu berücksichtigen?

An- und Abschlusshöhen nach DIN 18195: Grundsätzlich sind horizontale Abdichtungen an jeder Stelle mindestens 15 cm an aufgehenden Bauteilen hochzuführen, ausgehend von der Oberfläche der obersten Aufbauschicht, also z.B. der Abdichtung, der Kiesschüttung oder des Plattenbelages. An der Attika sollte die Abdichtung grundsätzlich bis zur Außenkante der Fassade geführt werden. Die Abdichtung ist an der Attika mindestens 10 cm über die Oberfläche des Flachdaches zu führen. Die dazu notwendigen Randabdeckungen sollen ein Gefälle zur Abdichtungsseite hin aufweisen.

Anschluss Abdichtung an aufgehende BauteileAbschluss an Dachrand_Attika

  1. Kiesstreifen                                                   5. Attikablech                                               
  2. Abdichtungen nach DIN 18195, Teil 5           6. Schutzblech
  3. Dämmung                                                     7. Dachbegrünung
  4. Dampfsperre

Anschluss an Türschwellen: Da beim Austritt auf ein Flachdach in der Regel die nach DIN 18195 geforderte Anschlusshöhe von 15 cm unerwünscht ist, vor allem bei barrierefreien Austritten, ist unter bestimmten Bedingungen ein Schwellenanschluss mit geringer oder sogar ohne Aufkantung möglich, wenn zusätzlich ausreichend große Vordächer, Fassadenrücksprünge und/oder unmittelbar entwässernde Rinnen das Eindringen von Wasser verhindern. Folgende Varianten entsprechen diesen Forderungen:

Standard-Anschluss an Türschwellen nach DIN 18195 mit Stufe und 15 cm AufkantungAnschluss an Türschwelle mit 5 cm Aufkantung unter zusätzlichen Maßnahmen wie Vordach und/oder Rinne

Barrierefreier Anschluss an Türschwelle mit 5 cm Aufkantung unter zusätzlichen Maßnahmen wie Vordach und/oder Rinne

  1. Terrassenbelag                                         5. Dampfsperre
  2. Faserschutzmatte                                     6. Stahlbetondecke
  3. Abdichtung nach DIN 18195, Teil 5           7. Drainrost
  4. Gefälledämmung                                      8. Tür zur Dachterrasse

Untergrund: Der Untergrund muss so dampfdicht ausgeführt sein, dass es nicht zu Schäden durch Tau-wasserbildung an der Unterseite der Abdichtung kommen kann. Zudem sollte er sauber sein und lückenlos in einer Ebene mit gleichmäßigem Gefälle liegen. Als Untergrund kommen verschiedenste Materialien (Betonfertigteile, Vollholz- oder Holzwerkstoffschalungen, Trapezbleche, Wärmedämmschichten oder vorhandene Altabdichtungen) in Frage, deren genaue erforderliche Beschaffenheit in o.g. DIN-Normen festgelegt ist.

Dachneigung für ungenutzte/extensiv begrünte Dachflächen: Die Dachneigung beträgt in der Regel zwischen 2% und 5%. Hierdurch können sich, insbesondere bei größeren Dachflächen, deutliche Höhenunterschiede im Unterbau ergeben, die z.B. durch eine Gefälledämmung hergestellt werden können und die z.B. beim Anschluss an aufgehende Bauteile oder im Bereich von Terrassentüren berücksichtigt werden müssen. Dachneigungen unter 2% sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich (siehe auch  ►Anwendungskategorien gem. DIN 18531). Bei Dachneigungen über 5% werden zusätzliche Maßnahmen erforderlich, die ein Abrutschen des Dachaufbaus verhindern.

Dachneigung für genutzte/intensiv begrünte Dachflächen: Weder die Flachdachrichtlinie noch die
DIN 18195 schreiben für genutzte/intensiv begrünte Dachflächen ein Mindestgefälle vor. Es ist jedoch durch entsprechende Maßnahmen Sorge dafür zu tragen, dass auftretendes Oberflächenwasser, z.B. durch Niederschläge, ständig wirksam abgeführt wird. Wenn Beschädigungen der Abdichtung oder der darüber liegenden Schichten durch länger stehendes Wasser, z.B. in Pfützen, zu erwarten ist, muss durch geeignete Maßnahmen, wie z.B. eine Gefällegebung, eine vollständige Wasserableitung sichergestellt werden.

Wasserunterläufigkeit: Bei größeren Dachflächen und bei Gründächern sollten Maßnahmen zur flächenmäßigen Begrenzung des Schadens durch Wasserunterläufigkeit getroffen werden, z.B. über einen voll-flächig verklebten Dachaufbau oder vertikale Abschottungen in der Dämmebene, die die Abdichtung mit der Dampfsperre wasserdicht verbinden und so die Ausbreitung der Leckage auf eine einzelne Dämmkammer beschränken.

Gründach: Die Wahl der Begrünungsart, ob intensiv oder extensiv, entscheidet über die Ausführung der Abdichtung, die dann entweder nach DIN 18531 (extensiv begrünte Flachdächer) bzw. der DIN 18195 (intensiv begrünte Flachdächer) erfolgt, jeweils in Verbindung mit dem entsprechenden Abschnitt der Flachdachrichtlinie. Diese grundsätzliche Entscheidung muss daher getroffen werden, bevor mit der Planung/Ausschreibung der Abdichtung begonnen werden kann. Zusätzlich muss ebenfalls bereits bei der Wahl der Abdichtung entschieden werden, ob diese mit (nachgewiesenem) Durchwurzelungsschutz ausgeführt, oder ob diese Schutzfunktion durch eine separate Lage oberhalb der Abdichtung gewährleistet werden soll.

Brandschutz: Der Dachaufbau muss den Vorgaben der jeweiligen Landesbauordnung zum Brandschutz entsprechen, insbesondere muss er in aller Regel die Eigenschaft „harte Bedachung“ erfüllen. Bei bestimmten Dachaufbauten wird dies allein durch die Abdichtungsschicht in Verbindung mit dem Untergrund gewährleistet, bei anderen wird dies erst durch eine Schutz- bzw. Nutzschicht oberhalb der Abdichtung erreicht, wie z.B. eine Kiesschüttung oder ein Plattenbelag im Splittbett. Durchdringungen, An- und Abschlüsse, z.B. die Anschlüsse an eine umlaufende Attika oder an aufgehende Wände, sind in jedem Fall durch einen Kies- oder Plattenstreifen von Bewuchs freizuhalten. Großflächige Dächer, z.B. bei Industriebauten, Verkaufsstätten oder Versammlungsstätten, müssen hinsichtlich der Brandbeanspruchung von unten und der daraus resultierenden Brandausbreitung über die Dachfläche zusätzlich den Anforderungen der DIN 18324 genügen.

Durchdringungen: Durchdringungen müssen zueinander und zu anderen Bauteilen einen Mindestabstand von 30 cm einhalten damit eine einwandfreie Abdichtung technisch hergestellt werden kann.

Windsogsicherungen: In der DIN 18531-3 sind Vorgaben zur Windsogsicherung unter bestimmten Voraussetzungen enthalten. In allen anderen Fällen ist ein statischer Einzelnachweis für die einzelnen Dachbereiche nach DIN 1055-4 zu führen. Im Anhang der Flachdachrichtlinie sind Tabellen und Beispiele zur Ermittlung der erforderlichen Windsogsicherung für Flachdächer enthalten.

Sanierung bestehender Dachaufbauten: Bei der Sanierung bestehender Flachdächer  ist besonderes Augenmerk auf den Zustand des Untergrundes zu richten, insbesondere, ob es zu Unverträglichkeiten zwischen den alten und neuen Materialien kommen kann und ob die vorhandene Dachabdichtung noch funktionstüchtig ist. Der genaue Ablauf der Voruntersuchungen und die Festlegung der erforderlichen Maßnahmen sind der DIN 18531-4 bzw. der Flachdachrichtlinie zu entnehmen.

Hinweise zur Bauausführung

Verlängerte Garantiezeit: Einige Hersteller bieten für spezielle Dachabdichtungssysteme unter bestimmten Voraussetzungen eine deutlich verlängerte Garantiezeit an, z.B. 20 Jahre. Neben der vorgeschriebenen Verwendung von Komponenten aus einem fest definierten Dachsystem ist hierzu eine umfassende Qualitätssicherung erforderlich, z.B. durch den Einsatz speziell geschulter Verleger und einer TÜV-Überwachung sowohl der Herstellung im Werk als auch der Verlegung vor Ort.

Witterungsbedingungen: Beim Aufbringen von Abdichtungen müssen Bauteiloberflächen grundsätzlich frostfrei sein, bei der Verarbeitung flüssiger Massen müssen sowohl die Bauteiloberflächen- als auch die Umgebungstemperatur mindestens 5°C betragen. Je nach Verarbeitung kann es zusätzlich erforderlich sein, dass der Untergrund auch absolut trocken sein muss, z.B. bei kalt selbstklebenden Bahnen oder beim Gieß- und Einwalzverfahren, so dass Abdichtungsarbeiten je nach gewählter Verarbeitungsart unterschiedlich stark witterungsabhängig sind.

Untergrund: Der Untergrund muss glatt, frei von Rissen und schädlichen Verunreinigungen sein. Eine Trennschicht/-lage kann zur Erfüllung von Brandschutzanforderungen (harte Bedachung) erforderlich sein oder wenn eine chemische Unverträglichkeit zum Untergrund zu erwarten ist oder wenn die Gefahr einer Beschädigung der Abdichtung durch Unebenheiten/Rauigkeiten des Untergrundes besteht.

Verlegung: Einzelheiten zur Verlegung, z.B. zu erforderlichen Überlappungen an Nähten, Stößen und Anschlüssen und zu Nahtverbindungen, sind in der DIN 18195-3 bzw. der DIN 18531-3 geregelt.

Schutzmaßnahmen gem. DIN 18195: Schutzmaßnahmen dienen dem vorübergehenden Schutz der Abdichtung während der weiteren Baumaßnahmen und müssen auf die Art und Dauer der Baumaßnahmen bis zur Herstellung der endgültigen Schutzschicht abgestimmt sein. Auch chemische Stoffe, die die Abdichtung beschädigen können, sind hierbei ggf. mit zu berücksichtigen, z.B. Schmiermittel, Lösungsmittel oder Schalungsöl. Auf ungeschützten Abdichtungen dürfen keine Lasten abgestellt werden und die Flächen sind nur mit geeignetem Schuhwerk und soweit absolut notwendig zu betreten.

Inspektion und Wartung: Dachabdichtungen erfordern eine regelmäßige Inspektion und Wartung, um eine lange Nutzungsdauer erreichen zu können. Hierzu empfiehlt sich der Abschluss eines Wartungsvertrages mit einer geeigneten Fachfirma. In der schriftlichen Dokumentation der Inspektionen sollte auch die Notwendigkeit ggf. erforderlicher Wartungs- Instandhaltungs- oder Instandsetzungsarbeiten festgehalten werden.

Kennzeichnung nach DIN 18531: Bei der Ausführung von Flachdächern nach DIN 18531 soll auf der Dachfläche an gut einsehbarer Stelle ein Kennzeichnungsschild aus beständigem Material angeordnet werden, das neben den Kurzzeichen der verwendeten Dachabdichtungsstoffe für Anwendungstyp, Eigenschaftsklasse und Produktmerkmalen auch über Hersteller, Handelsnamen, Ausführungsjahr und ausführende Firma informiert. Weitere Einzelheiten hierzu sind der DIN18531-3 zu entnehmen.

Wichtige Anschlussbauteile

200 Dachbegrünung Unterhalb eines Gründachaufbaus muss ein Durchwurzelungsschutz vorgesehen werden, der auch von der obersten Lage der Dachabdichtung übernommen werden kann.

220 Flachdach - Dämmung In der Regel werden gedämmte Flachdächer als sogenanntes Warmdach ausgeführt, bei dem die Dämmschicht ohne Hinterlüftung unterhalb der Abdichtungsebene liegt.

221 | Flachdach - Dampfbremse und Dampfsperre Abdichtung und Dampfbremse bzw. -sperre müssen im Hinblick auf die Dampfdiffusion aufeinander abgestimmt werden.

223 Abdichtung Flachdach aus Kunststoff-/ Elastomerbahnen Alternativ zu Bitumen-/ Polymerbitumenbahnen kann eine Flachdachabdichtung auch mit Kunststoff-/ Elastomerbahnen hergestellt werden.

Entwässerung Flachdach Die Entwässerung eines Flachdaches erfolgt entweder innenliegend über Dachabläufe und Notüberläufe, oder außenliegend über eine vorgehängte Rinne.

Normen und Literatur

DIN 18195, Teile 3, 5, 8-10, Bauwerksabdichtungen

DIN 18234, Baulicher Brandschutz großflächiger Dächer, Brandbeanspruchung von unten

DIN 18338, VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) - Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten

DIN 18531, Teil 1-4, Dachabdichtungen

Flachdachrichtlinie (Fachregel für Abdichtungen), Regel für Abdichtungen nicht genutzter Dächer, Regel für Abdichtungen genutzter Dächer und Flächen