Fachwissen zu diesem Thema

Mehr über Kalksandstein-Außenwände

Wandaufbau: Aufgrund der großen Dichte und des daraus resultierenden hohen Wärmedurchlassgrades von Kalksandstein werden Außenwände von beheizten Gebäuden mehrschichtig gebaut. Diese sogenannten Funktionswände haben den Vorteil, dass die innere tragende und schwere Schicht aus Kalksandstein alle Anforderungen an Statik, Brandschutz, Schallschutz und sommerlichen Wärmeschutz übernimmt. Die äußere Schicht aus leichten Dämmstoffen und Verkleidungen leistet dagegen den winterlichen Wärmeschutz und den Wetterschutz. Durch diese Spezialisierung der einzelnen Schichten entstehen Wandaufbauten, die optimal an alle Anforderungen angepasst werden können. Die Außenhaut kann z.B. als Wärmedämmverbundsystem (WDVS), als vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) oder als sichtbares Verblendmauerwerk mit Kerndämmung ausgebildet werden.

Hinweise zur Planung

Wärmeschutz: Die Bemessungswerte für Wände aus Kalksandstein liegen im Bereich zwischen λ= 0.7 - 1,3 W/mK, sodass eine Außenwand für beheizte Räume nach aktuellem EnEV-Standard zusätzliche Dämmmaßnahmen erfordert. Auf Grund der hohen Wärmeleitfähigkeit von Kalksandstein wirken sich auch Wärmebrücken besonders schädlich aus und bedingen so eine besonders gewissenhafte Planung von Anschlüssen und Übergängen zu angrenzenden Bauteilen.

Brandschutz: Kalksandsteinwände sind nicht brennbar und entsprechen der Baustoffklasse A1 nach DIN 4102-4, haben also hervorragende Brandschutzeigenschaften. Die Ausführung einer Brandwand ist mit einem Planstein der Rohdichteklasse ≥1,8 kg/dm³ bereits mit einer 17,5 cm dicken Wand möglich.

Statik: Die hohe Steindruckfestigkeit (SFK) verleiht Kalksandsteinwänden gute statische Eigenschaften, sie sind hoch belastbar. So sind tragende Wände bereits bei einer Wandstärke von 11,5 cm möglich, üblich sind jedoch Wandstärken von mindestens 15 cm für tragende Wände. Mit tragenden Außenwänden mit einer Wandstärke von 36,5 cm aus Kalksandstein können Gebäude mit bis zu 10 Stockwerken erstellt werden.

Schallschutz: Durch seine hohe Rohdichte ist Kalksandstein prädestiniert für Wände mit erhöhten Schallschutzanforderungen. Weitere Informationen s. auch Lexikonbeitrag ► Kalksandsteinwände, Schallschutz

Mauerwerksmaß: Trotz hochwertiger Ausstattung der meisten Baufirmen mit Schneidegeräten ist es nach wie vor für eine wirtschaftliche Ausführung sinnvoll, in der Planung so weit wie möglich die Mauerwerksmaße zu berücksichtigen. Diese sind in der DIN 4172 geregelt und beruhen auf einem Raster von 12,5 cm = oktametrisches System (siehe Mauerwerksmaße im Lexikon).

Türen und Fenster: Die Öffnungsmaße von Türen und Fenster müssen in der Ausführungsplanung für den Rohbaufestgelegt werden, in Abhängigkeit der zur Ausführung kommenden Tür- und Fenstersysteme. So setzt zum Beispiel bei einer Innentür die Ausführung einer Umfassungszarge ein anderes Rohbaumaß voraus als die Ausführung als Blockzarge oder als Riegelstockelement mit ähnlicher Durchgangslichte.

Dampfdiffusion: Kalksandsteinwände haben abhängig von ihrer Rohdichte eine Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl μ von ca. 5 bis 25 und damit eine mittlere Dampfdurchlässigkeit. Sie gelten somit als diffusionsoffene Wandkonstruktion. Jede Art von Außenhaut sollte daher entweder hinterlüftet oder ebenfalls diffusionsoffen ausgeführt werden.

Ökologie: Kalksandsteinwände haben eine gute Ökobilanz, ihre Herstellung erfolgt nur aus den natürlichen Materialien Sand, Kalk und Wasser. Chemische Zusätze werden nicht beigemengt, es fallen auch keine umweltbelastenden Rückstände an. Der Energieaufwand bei der Herstellung ist gering. Allerdings hängt die Ökobilanz einer Außenwand aus Kalksandstein von der zusätzlich aufgebrachten Außenhaut ab, die bei Kalksandsteinwänden als Bestandteil von wärmedämmenden Außenwänden unumgänglich ist.

Sonderbauteile: Als Ergänzung zu den Wandsteinen werden eine Vielzahl von Ergänzungsprodukten angeboten. Dazu gehören z.B. Ausgleichssteine (Kimmsteine) zum Höhenausgleich am Wandfuß oder -kopf, Stürze, Gurtwicklersteine und U-Schalen. Kimmsteine sind auch mit deutlich verbessertem Wärmedämmwert durch eine integrierte Wärmedämmung erhältlich, so dass eine thermische Trennung zwischen Wand und Bodenplatte oder Decke erreicht werden kann.

Rechtsverbindlichkeit der DIN „V“ 106: Trotz ihres Charakters als „Vornorm“ ist die DIN V 106 in den meisten deutschen Bundesländern über die jeweilige Liste der Technischen Baubestimmungen bekannt gemacht, damit bauaufsichtlich eingeführt, und muss daher bei der Planungund Ausführung von baulichen Anlagen von allen Beteiligten beachtet werden.

Hinweise zur Bauausführung

Anwendung und Zulassung: Kalksandsteine können als geregeltes oder als nicht geregeltes Bauproduktangewendet werden. Sie werden als geregeltes Bauprodukt entsprechend der Bauregelliste A Teil 1 eingestuft, wenn sie der DIN EN 771-2 (Festlegungen für Mauersteine - Teil 2: Kalksandsteine) entsprechen und keine wesentlichen Abweichungen zur DIN V 106(Kalksandsteine mit besonderen Eigenschaften),Abschnitt 4.8 als technischer Regel bestehen. Nur in diesem Fall kann die DIN V 106 als Verwendbarkeitsnachweis herangezogen werden. Die Übereinstimmung mit der technischen Regel wird bei diesen Produkten durch den Hersteller in Form einer entsprechenden Übereinstimmungserklärung bestätigt. Fasensteine benötigen dabei gemäß DIN V 106 generell eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ), wenn sie als tragendes Mauerwerk verwendet werden sollen. Auch für alle anderen Mauersteine aus Kalksandstein, die keine Übereinstimmungserklärung des Herstellers als geregeltes Bauprodukt besitzen, wird in der Regel ein Verwendbarkeitsnachweis in Form einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (AbZ) erforderlich. Dieser ist nicht erforderlich, wenn durch den Verwender (Planer bzw. Bauausführender) von Steinen, die (nur) mit dem CE-Kennzeichen gekennzeichnet sind, anhand der DIN 20000-402 eigenverantwortlich (!) nachgewiesen wird, dass sie die Eigenschaften der DIN V 106 erfüllen. Für Mauerwerk gem. DIN EN 1996-1-1/NA dürfen in Deutschland nur Kalksandsteine der Kategorie I nach DIN EN 771-2mit einer deklarierten Druckfestigkeit verwendet werden.

Anlegen von Wänden: Auf der Decke oder Bodenplatte wird vor dem Setzen der ersten Steinreihe eine waagerechte Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit und eine Ausgleichsschicht aus Normalmörtel der Mörtelgruppe III mit einer Dicke von 1 bis 3 cm aufgebracht. Diese dient dem Ausgleich von Unebenheiten.

Lagerfugen: Bei „Normal“-Steinen werden ca. 10 bis 12 mm dicke Lagerfugen aus Normalmörtel mit dem Mörtelschlitten oder der Kelle aufgetragen. Plansteine und Planelemente werden mit nur wenige Millimeter dickem Dünnbettmörtel versetzt. Der Auftrag erfolgt mit Dünnbettmörtelschlitten oder Plankelle. Nach dem Ansteifen des Mörtels ist überquellender Mörtel mit dem Spachtel abzuziehen.

Stoßfugen: Kalksandsteine werden oft mit Nut-und Federsystem hergestellt, diese sind mit -R deklariert. Bei diesen kann eine Stoßfugenvermauerung in der Regel entfallen. Eine zusätzliche Vermörtelung im Eckbereich von Wänden vermindert aber die Rissgefahr und bildet eine kraftschlüssige Verbindung.

Wartezeiten: Erfahrungsgemäß vollzieht sich der überwiegende Teil der regelgerechten Formänderungen eines Rohbaus in den ersten Wochen und Monaten. Dementsprechend empfiehlt sich eine Wartezeit von ca. 6 Monaten vor dem Verputzen, um Risse zu vermeiden.

Witterungseinflüsse: Bei zu starker Hitzeeinwirkung sollten die Steine angenässt werden, um ein zu schnelles Einziehen des Mörtels in den saugfähigen Stein zu verhindern. Genauso ist das Mauerwerk vor Frost und starker Durchfeuchtung zu schützen.  Das Erstellen von Mauerwerk mit gefrorenen Baustoffen ist nicht zulässig. Freiliegende Fensterbrüstungen oder nach oben offenes Mauerwerk sollten mit Platten oder Planen abgedeckt werden, um das Eindringen von Niederschlagsfeuchtigkeit in das Mauerwerk zu verhindern.

Wichtige Anschlussbauteile

KS-Vormauersteine und KS-Verblendersteine: Aus Kalksandstein können auch die sichtbaren Außenschalen von gedämmten Außenwänden hergestellt werden.

KS-Bauplatten: Plansteine ausschließlich für nichttragende Innenwände, die umlaufend mit einem Nut- und Federsystem ausgebildet sind.

Normen und Literatur

Hinweis: Die Mauerwerk-Normenreihe DIN 1053 wurde mit Ausnahme der überarbeiteten DIN 1053-4 (Fertigbauteile) zurückgezogen. Nachfolger sind die Eurocode-Normen der Reihe DIN EN 1996. Obwohl auch DIN 1053-1 (Berechnung und Ausführung) vom Normeninstitut zurückgezogen wurde, gilt sie über die bauaufsichtlichen Regelungen in Deutschland noch bis Ende 2015. Ihre Anwendung ist alternativ zu den Regelungen des Eurocode 6 möglich, darf aber nicht mit diesen gemischt werden.
Hinweis: Die DIN 4108-1 (Wärmeschutz im Hochbau; Größen und Einheiten) wurde zurückgezogen und ersetzt durch die DIN EN ISO 7345.

DIN 1053-1, Mauerwerk - Teil 1: Berechnung und Ausführung

DIN 4108 Beiblatt 2,Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden - Wärmebrücken - Planungs- und Ausführungsbeispiele

DIN 4108-2, Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden - Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz

DIN 4109, Schallschutz im Hochbau; Anforderungen und Nachweise

DIN 4109 Beiblatt 2, Schallschutz im Hochbau; Hinweise für Planung und Ausführung; Vorschläge für einen erhöhten Schallschutz; Empfehlungen für den Schallschutz im eigenen Wohn- oder Arbeitsbereich

DIN 4109/A1, Schallschutz im Hochbau - Anforderungen und Nachweise; Änderung A1

DIN 4172, Maßordnung im Hochbau

DIN V 106, Vornorm, Kalksandsteine mit besonderen Eigenschaften

DIN 20000-402, Anwendung von Bauprodukten in Bauwerken - Teil 402: Regeln für die Verwendung von Kalksandsteinen nach DIN EN 771-2:2005-05

DIN EN 771-2, Festlegungen für Mauersteine - Teil 2: Kalksandsteine

DIN EN 1996-1-1, Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 1-1: Allgemeine Regeln für bewehrtes und unbewehrtes Mauerwerk

DIN EN 1996-1-1/NA, Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter - Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 1-1: Allgemeine Regeln für bewehrtes und unbewehrtes Mauerwerk

DIN EN 1996-1-1/NA/A1, Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter - Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 1-1: Allgemeine Regeln für bewehrtes und unbewehrtes Mauerwerk; Änderung A1

DIN EN 1996-1-2, Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 1-2: Allgemeine Regeln - Tragwerksbemessung für den Brandfall

DIN EN 1996-1-2/NA, Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter - Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 1-2: Allgemeine Regeln - Tragwerksbemessung für den Brandfall

DIN EN 1996-2, Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 2: Planung, Auswahl der Baustoffe und Ausführung von Mauerwerk

DIN EN 1996-2/NA,  Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter - Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 2: Planung, Auswahl der Baustoffe und Ausführung von Mauerwerk

DIN EN 1996-3, Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 3: Vereinfachte Berechnungsmethoden für unbewehrte Mauerwerksbauten

DIN EN 1996-3/NA, Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter - Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 3: Vereinfachte Berechnungsmethoden für unbewehrte Mauerwerksbauten

DIN EN 1996-3/NA/A1,Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter - Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten - Teil 3: Vereinfachte Berechnungsmethoden für unbewehrte Mauerwerksbauten; Änderung 1

DIN EN ISO 7345, Wärmeschutz - Physikalische Größen und Definitionen

EnEV - Energieeinsparverordnung für Gebäude, Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden

Mauerwerk Atlas, die Konstruktion von Tragwerk und Gebäudehülle, Günter Pfeifer, Rolf Ramcke, Joachim Achtziger, Konrad Zilch, 2001

►Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V.  Fakten, Wissen und Arbeitshilfen, Zahlreiche Downloads, einschließlich KS-Schallschutzrechner